Werkstattpädagoge / Werkstattpädagogin Hannover | Modul 1
- Hannover (ver.di Höfe, Veranstaltungszentrum Rotation, Goseriede 10)
Produktionsschulen sind in Deutschland ein wirksames pädagogisches Modell, das Arbeitssituationen und Kundenaufträge nutzt, um Lernprozesse für die Entwicklung von sozialen, personalen und fachlichen Kompetenzen junger Menschen zu initiieren. In neun thematischen Modulen, die auf Grundlage der BVPS-Qualitätsstandards entwickelt wurden, verfolgt die Weiterbildungsreihe folgende Ziele:
- theoretische Fundierung und Reflexion der praktisch-pädagogischen Arbeit,
- Unterstützung des Aufbaus und der Weiterentwicklung von Produktionsschulen,
- Förderung der Personal- und Teamentwicklung sowie der (über-)regionalen Vernetzung,
- Initiierung eines professionellen Erfahrungsaustausches und Lösung aktueller Probleme.
- Nachhaltige Gestaltung der pädagogischen Lernprozesse und -orte entwickeln.
Zielgruppe
Die Weiterbildungsreihe richtet sich an Fachkräfte, die in Produktionsschulen, Jugendwerkstätten, in anderen produktionsorientierten Jugendhilfeprojekten sowie in der betrieblichen oder schulischen Berufsausbildung (z.B. als Ausbilder:innen oder Fachpraxislehrer:innen) tätig sind.
Dozentinnen & Dozenten
Erfahrene Expertinnen und Experten, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Produktionsschulen, öffentlichen Institutionen und Bildungsträgern.
Ablauf
Jedes Modul enthält eine zweitägige Präsenzphase (Blockveranstaltung jeweils Freitag und Samstag; 16 Stunden), an die sich jeweils eine Selbststudienphase (ca. 16 Stunden) anschließt. Das Selbststudium wird zusammen mit Materialien, Anregungen und Übungen aus den Modulen in einem Portfolio erfasst und in der letzten Veranstaltung (Modul IX) präsentiert.
Abschluss
Die Teilnehmenden erhalten nach erfolgreichem Abschluss der Weiterbildungsreihe ein gemeinsames Zertifikat des Bundesverbandes Produktionsschulen e.V. und des Instituts für Berufspädagogik und Erwachsenenbildung der Leibniz Universität Hannover. Das Zertifikat berechtigt zum Führen des Titels „Werkstattpädagoge/-pädagogin“ und kann von den Teilnehmenden erworben werden, wenn sie an mindestens sieben der ersten acht Blockveranstaltungen vollständig teilgenommen haben.
Der größte Teil der Weiterbildung kann auch für eine ReZA Zusatzqualifikation für Ausbilder:innen anerkannt werden.
Anmeldung und Kosten
Anmeldungen sind ab sofort und bis zum 04.03.2027 möglich. Der Komplettpreis für alle Module ohne Unterkunft beträgt 3.450 € für Mitglieder des Bundesverbandes Produktionsschulen und 3.950 € für Nichtmitglieder. Eine Buchung von Einzelmodulen ist nicht möglich.
Die Kosten für die Weiterbildungsreihe sind steuerlich anrechenbar. Über die individuellen Fördermöglichkeiten der Weiterbildungsreihe informieren Sie sich bitte bei der zuständigen Agentur für Arbeit bzw. dem Jobcenter oder den entsprechenden Beratungsinstitutionen der jeweiligen Bundesländer.
Module
Die Zielgruppe einer Produktionsschule ist heterogen. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen befinden sich oft in einer vielschichtigen und oft auch komplizierten Lebenssituation. Sie haben verschiedene Familien- und Bildungshintergründe und sind mit unterschiedlichen sozialen und kulturellen Ressourcen ausgestattet.
Das Modul fundiert das Verständnis für die Situation und die Entwicklung der jungen Menschen. Themen sind z.B.: Benachteiligungstypologie, Kompetenzansatz, Kompetenzfeststellung, individuelle Förder-/Entwicklungsplanung, Milieu und Biografie, Teilhabe und Wertschätzung.
Die Verbindung von Arbeiten und Lernen gehört zur selbstverständlichen und immer wieder artikulierten Alltagspraxis in Produktionsschulen und produktionsorientierten Einrichtungen. Die Lernprozesse sind durch eine hohe Praxis- und Handlungsorientierung gekennzeichnet: Theoretische Inhalte und Fragestellungen werden unmittelbar aus der Praxis abgeleitet. Das stellt jedoch Herausforderungen an die Fachkräfte, Arbeiten und Lernen systematisch und methodisch in der pädagogischen Arbeit zu verankern.
Das Modul nutzt Erkenntnisse der Lern- und Gehirnforschung für die Entwicklung eines produktionsschulspezifischen Didaktik- und Methodikverständnisses. Themen sind z.B.: Einflussfaktoren für gelingendes Lernen, Bildungsorte im Jugendalter, formelle und informelle Lernprozesse, pädagogische und psychologische Grundlagen für Tätigkeit und Handlung, Lernen im und am Kundenauftrag, lern- und entwicklungsförderliche Lehr-Lernarrangements.
Eine Produktionsschule stellt Produkte her bzw. bietet Dienstleistungen für eine reale Kundschaft an. Die Aufträge müssen für die jungen Menschen herausfordernd sein sowie ernsthaft und verbindlich.
Das Modul thematisiert den Spagat zwischen pädagogischem Auftrag (gegenüber den jungen Menschen) und Produktion (Zeit-/Qualitätsanforderungen der Kund:innen). Themen sind z.B.: Konzept der vollständigen Handlung, geeignete Produkte und Dienstleistungen, Methoden zur Produktentwicklung, reale Kundschaft als „pädagogischer Dritter“, interne und externe Einflussfaktoren auf die Produktion, Kooperation mit der Wirtschaft.
Das (Erfahrungs-)Wissen um Ursache und Wirkung von Gruppenprozessen und die aufmerksame Beobachtung der Gruppe ermöglicht es den Werkstattpädagoginnen und -pädagogen, die Verhaltensweisen einzelner Gruppenmitglieder besser nachzuvollziehen, Gruppenprozesse zu steuern sowie die individuellen Entwicklungsbedingungen für die jungen Menschen zu verbessern.
Im Modul erfolgt eine überblicksartige Darstellung, wie die Gleichaltrigengruppe (Peergroup) und die Produktionsschule als ein naturgemäßer formeller und informeller Lernort für die einzelnen Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Erscheinung tritt. Zudem wird ein Praxisaustausch angeregt, wie geltende Normen, grundsätzliche Werte und notwendige Regeln zu von der Mehrheit akzeptierten und gelebten Standards entwickelt werden können und wie die Identifikation mit den formellen Zielen der Produktionsschule verbessert werden kann
Die Kompetenzen der Werkstattpädagoginnen und -pädagogen sowie ihre verlässlichen Beziehungen zu den Jugendlichen sind – neben der Auftragsakquise und der regionalen Vernetzung – zentrale Erfolgsfaktoren einer Produktionsschule.
Das Modul vermittelt zentrale Inhalte und bietet Raum für Reflexion und Weiterentwicklung: eigene Lernerfahrungen, Rollen und Rollenerwartungen, das Profil der Werkstattpädagoginnen und -pädagogen sowie Aufgabenklarheit.
Darüber hinaus werden Herausforderungen und erforderliche Kompetenzen, Selbstfürsorge und Psychohygiene, die Zusammenarbeit im multiprofessionellen Team sowie Personal- und Teamentwicklung thematisiert. Ergänzend stehen Kooperation, der Aufbau persönlicher Netzwerke und die Weiterentwicklung des pädagogischen Handwerkszeugs im Fokus.
Der Erfolg der Produktionsschulen begründet sich auch in ihrem entwicklungsfördernden Arrangement. Eine Produktionsschule als pädagogischer Lern-, Arbeits- und Lebensraum muss eine besondere Atmosphäre, spezifische Interaktions- und Kommunikationsstrukturen oder nachvollziehbare Tages- und Wochenstrukturen mit wiederkehrenden orientierenden Punkten anbieten.
Das Modul bearbeitet Themen, wie z.B.: Strukturierung des pädagogischen Alltags, wertschätzende und kompetenzorientierte Interaktions- und Kommunikationsstrukturen, pädagogisch stimmige Regeln und Einbezug der jungen Menschen, gemeinschaftsstiftende Rituale, Wahrnehmung und Gestaltung von Lern- und Arbeitsumgebungen.
Produktionsschulen müssen berufliche Übergänge und individuelle „Ablösephasen“ ihrer Jugendlichen und jungen Menschen organisieren und reflektieren. Motto: Jede/r hat nach dem Abschluss einen Anschluss.
Das Modul bearbeitet Felder, wie z.B.: Planung und Gestaltung des beruflichen Übergangs und der individuellen Integration, Kennenlernen neuer Instrumente, Rund um das Praktikum, Schaffung lokaler und regionaler Bildungs- und Qualifizierungsnetzwerke, individuelle Nachbetreuung.
Produktionsschulen müssen sie sich als „Lernende Organisationen“ begreifen, um die eigene Einrichtung stets weiterzuentwickeln und fit zu halten für von außen und innen kommende Einflüsse und Veränderungen.
Das Modul setzt Schwerpunkte bei Themen, wie z.B. Leitbildentwicklung und Qualitätsmanagement, Qualitätsmerkmale und verbindliche Standards, Förderung einer Kultur der pädagogischen Reflexion, Produktionsschule im örtlichen Übergangsgeschehen, professioneller Erfahrungsaustausch zwischen den Produktionsschulen, Personal- und Organisationsentwicklung, Zukunftsentwurf einer Produktionsschule.
In der Abschlussveranstaltung der Weiterbildungsreihe soll es einerseits darum gehen, den eigenen Lernprozess sowie das eigene pädagogische Profil zu reflektieren. Andererseits sollen die gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen der vorausgegangenen acht Modulen persönlich bewertet und exemplarisch präsentiert und diskutiert werden.
Der Ablauf sieht die Abschlusspräsentation der Teilnehmenden mit der Reflexion des eigenen Lernprozesses, der Bearbeitung einer Selbststudienaufgabe und der Vorstellung des angefertigten Portfolios vor sowie die ausführliche Auswertung der Weiterbildungsreihe und die feierliche Übergabe der Zertifikate.